Family-Office-Kapital — wie kommt man da rein?
In Deutschland sind mehrere hundert aktive Family Offices ansässig (Schätzungen variieren je nach Definition zwischen 400 und über 1.000). Sie investieren still, suchen Mittelstand, sind oft günstiger als Private Equity. Warum trotzdem die meisten Anfragen scheitern — und was funktioniert.
Family-Office-Kapital ist im deutschen Mittelstand die geheimste Finanzierungsquelle. Geheim, weil Family Offices selten Marketing machen und in der Regel keine Webseite haben, auf der man sich „bewerben" kann. Mittelständler hören vom Existieren dieser Welt, suchen einen Zugang und scheitern an einer Tür, die scheinbar nicht aufgeht.
Wir vermitteln im Schwarm-Netzwerk regelmäßig zwischen Mittelstand und Family Offices. Hier die ehrliche Anleitung, was wirklich funktioniert.
Was ein Family Office ist — und was nicht.
Family Office ist die Vermögensverwaltung einer reichen Familie. „Single Family Office" verwaltet das Geld einer Familie, „Multi Family Office" mehrerer. Investiert wird in Aktien, Anleihen, Immobilien — und zunehmend in direkte Unternehmensbeteiligungen am Mittelstand. Letzteres ist der Markt, der für Mittelständler interessant ist.
Family Offices sind keine Banken. Sie haben keine standardisierten Produkte, keine schnellen Entscheidungswege, keine Vertriebsabteilungen. Sie sind auch keine Private-Equity-Häuser. Sie haben keine Fondslaufzeit, keine Exit-Logik, keine Renditevorgaben aus dem Markt. Sie sind eine eigenständige Spezies — und die Logik ist anders.
Warum Family-Office-Kapital attraktiv ist.
- Geduld. Family Offices investieren oft auf 10–20 Jahre. Kein Exit-Druck nach 5 Jahren wie bei klassischem PE. Mittelstand bekommt Zeit zum Wachsen.
- Ehrliche Augenhöhe. Family-Office-Inhaber sind oft selbst Unternehmerfamilien — sie verstehen mittelständische Dynamiken besser als institutionelle Investoren.
- Günstiger. Renditenerwartung typisch 8–12 % p.a., deutlich unter PE-IRR-Zielen von 15–20 %. Das schlägt sich in Bewertung und Konditionen nieder.
- Strukturierungsflexibilität. Mezzanine, stille Beteiligung, Minderheitsbeteiligung mit Vorzugsdividende — Family Offices sind in der Struktur frei. PE ist meist schematisch.
- Diskretion. Family Offices reden selten öffentlich über Beteiligungen. Für Mittelstand mit Familienhintergrund oft genau richtig.
Warum die meisten Anfragen scheitern.
Falscher Erstkontakt.
Die häufigste Anfrage: anonymes Anschreiben an eine Family-Office-E-Mail-Adresse mit dem Angebot, „in unser Unternehmen zu investieren". Diese Mails werden gelöscht. Family Offices investieren über Vertrauenskanäle — nicht über Kaltakquise. Wer den falschen Kanal nimmt, wird als unprofessionell eingeschätzt, und das war's.
Schlecht aufbereitete Unterlagen.
Family Offices erwarten eine professionelle Unterlage: Teaser (1 Seite), Information Memorandum (15–25 Seiten), Finanzplan, Wettbewerbsanalyse. Wer mit Excel-Tabellen und einem Anschreiben kommt, wird nicht ernst genommen. Aufbereitung kostet 4–8 Wochen Vorbereitung — diese Zeit muss investiert werden.
Unrealistische Bewertungsvorstellungen.
Mittelständler hören Multiples aus PE-Deals (8x EBITDA und mehr) und übertragen das auf ihre Situation. Family Offices zahlen oft konservativer als PE, häufig im Bereich 4–7x EBITDA bei Standard-Mittelstand — höhere Multiples nur bei besonderen Geschäftsmodellen. Sie merken sofort, wenn der GF überzogene Vorstellungen mitbringt. Das beendet das Gespräch oft vor der eigentlichen Prüfung.
Ungeklärte familiäre Situation.
Wenn die GF zu einem Family Office geht, müssen alle relevanten Familienmitglieder und Gesellschafter dahinterstehen. Family Offices investieren ungern in Unternehmen mit ungeklärten Familienkonflikten — das spüren sie schon im ersten Termin. Klärung ist Voraussetzung, nicht Folgeprozess.
Was funktioniert.
Eingeführter Erstkontakt.
Der einzige Weg ins Family Office ist über jemanden, der bereits drin ist. Ein anderer Beteiligter, ein Berater, ein Wirtschaftsprüfer, ein Anwalt — jemand, der einen Anruf macht und sagt: „Hier ist eine spannende Situation, könntet ihr euch das anschauen?" Das öffnet die Tür. Wir bei Crowd Solution machen genau das — Kontakteinführung über das Netzwerk.
Konkrete Story.
Family Offices reagieren auf konkrete unternehmerische Geschichten — nicht auf Kennzahlen. „Wir bauen seit 30 Jahren ein Unternehmen, das in seiner Nische Weltmarktführer ist. Die nächste Generation will das international ausbauen, dafür brauchen wir 5 Mio. Wachstumskapital für 5 Jahre." Das ist eine Story. „EBITDA-Multiple 5,5x, Beteiligung 25 %" ist keine Story — das ist eine Tabelle.
Mehrere Optionen parallel.
Family Offices bewegen sich langsam (typisch 4–8 Monate von Erstkontakt bis Closing). Wer nur ein Family Office anspricht, riskiert Stillstand. Drei bis fünf parallel anzusprechen ist realistisch. Wir koordinieren das im Mandat — diskret, ohne Marktgeräusch.
Vorbereitung der Familie.
Vor dem ersten Family-Office-Gespräch klären wir die familiäre Lage des Mandanten. Wer entscheidet was, gibt es Konflikte, wie ist die Nachfolgestruktur? Family Offices fragen nach diesen Dingen — und merken sofort, wenn die Antworten gewählt sind, statt geklärt.
Wie wir das in Mandaten umsetzen.
Family-Office-Mandate dauern bei uns typisch 4–6 Monate. Erste 4–6 Wochen: Aufbereitung der Unterlagen und Klärung der Mandanten-Lage. Dann 8–16 Wochen Marktansprache, in der Regel an 4–6 Family Offices parallel. Dann Verhandlung mit den 1–2 Interessierten, Term-Sheet, Due Diligence, Closing.
Honorar typisch: ein Retainer im niedrigen fünfstelligen Bereich plus Erfolgskomponente bei Abschluss (1,0–2,0 %, deutlich unter klassischer M&A-Beratung). Bei Bedarf vermitteln wir aus dem Schwarm-Netzwerk auch Wirtschaftsprüfer für Vendor Due Diligence und Anwälte für die Verhandlung.
Sie suchen Wachstums- oder Nachfolgekapital außerhalb klassischer Banken oder Private Equity? Erstgespräch buchen. Wir prüfen ehrlich, ob Family Office zu Ihrer Situation passt.